Der Hintergrund von Hypnose

Definition  ·  Geschichte  ·  Abgrenzung Show-Hypnose  ·  Indikationen

Hier finden Sie Antworten auf folgende Fragen:

Was ist Medizinische Hypnose?

Was kann Hypnose?

Was ist Hypnose?

Begriffsklärung

Hypnose ist ein kommunikatives Verfahren zur systematischen Fokussierung von Aufmerksamkeit zur Induktion eines veränderten Bewusstseinszustands (Trance).

Ein Trance-Zustand ist durch das Vorherrschen unwillkürlich-automatischer Prozesse im persönlichen Erleben gekennzeichnet. Nach moderner Auffassung ist Trance ein ganz natürlicher Zustand, der mehrfach in unserem Alltag auftritt (so genannte Alltags-Trance).

Die therapeutische Trance ist daher eine Sonderform von Trance, die Zwecken der Heilung und Gesundheitsförderung dient.

Von der Problem- zur Lösungstrance

Aus Sicht der modernen Hypnose lässt sich das subjektive Erleben bei psychosomatischen Störungen wie bei Schlafstörungen, Ängsten, somatoformen und Schmerzstörungen und Depressionen als Problem- oder Symptom-Trance verstehen. Denn meist sind solche Problem-Trancen das Ergebnis unbeabsichtigter, unwillkürlicher Prozesse der Aufmerksamkeitsfokussierung und Selbstsuggestion mit entsprechenden psycho-biologischen Wirkungen.

Bei der therapeutischen Anwendung von Hypnose geht es dann darum, den Betroffenen aus der Problem- oder Symptomtrance in eine Ressource- oder Lösungstrance zu führen: in einen Bewusstseinszustand, wo das beabsichtigte, nämlich das gesundheitsförderliche, unwillkürliche Erleben vorherrscht.

Moderne Hypnose, wie wir sie heute nutzen, ist eine wirksame Methode, um persönliche Kompetenzen und Ressourcen (Stärken, Fähigkeiten, kraftvolle Zustände) zu aktivieren und problematisches Erleben auf körperlicher, emotionaler, mentaler und Verhaltensebene in gewünschter Weise zu verändern. Dies geschieht meist mühelos und ist unmittelbar erfahrbar.

Im Coaching-Bereich von Sport und Business werden die Formen der modernen Hypnose im Rahmen des Selbstmanagements sowie zur Motivations- und Leistungssteigerung seit langem erfolgreich eingesetzt.

In der Zahnmedizin wird Hypnose schon seit Jahrzehnten zur Schmerz- und Angstkontrolle erfolgreich eingesetzt.

Seit 2006 ist Hypnose auch zu therapeutischen Zwecken als „Hypnotherapie“ offiziell als empirisch fundierte und wirksame Methode wissenschaftlich anerkannt. Wirksam ist Hypnose beispielsweise bei akuten und chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus, funktionellen (somatoformen) Körperbeschwerden und Nikotinabhängigkeit.

Historisches

Hypnose ist so alt wie die Menschheit und findet sich mit unterschiedlichen Bezeichnungen in allen Kulturen.  Das Verfahren selbst ist bereits vor etwa 3.500 Jahren bei den alten Ägyptern und um 1000 – 500 v. Chr. Auch bei den Griechen und Kelten zu Heilzwecken angewendet worden. Es kann als eines der ältesten Naturheilverfahren gelten.

Der Begriff Hypnose wurde allerdings erst durch den englischen Augenarzt und Chirurgen James Braid (1795-1860) geprägt und leitet sich von griech. hypnos = Schlaf ab.

Er hatte das unwillkürliche Augenzittern erstmals als objektivierbares Zeichen einer Trance („nervöser Schlaf“) und eine bestimmte, reproduzierbare Abfolge von Handlungsschritten zur Tranceinduktion beschrieben. Schon Braid hatte die Hypnose auch zu medizinischen Zwecken, z.B. zur Schmerzkontrolle, also als Medizinische Hypnose erfolgreich eingesetzt.

Die heutige, moderne Hypnose wurde vom amerikanischen Psychiater Milton Erickson (1901-1980) entwickelt, der – früh an Kinderlähmung erkrankt und unter chronischen Schmerzen leidend – dieses Verfahren im Selbstversuch entwickelte. Im Vergleich zur klassischen Hypnose zeichnet sich die moderne Hypnose durch ein kooperatives und ressourcenfokussierendes Vorgehen aus, das die Individualität und Autonomie des Klienten wertschätzt. In der modernen Hypnosetherapie geht man davon aus, dass die Patient:innen alle Ressourcen in sich tragen, um ein Problem zu lösen oder eine Lebensaufgabe zu meistern.

Wichtig: Abgrenzung zur Show- und Bühnen-Hypnose

Viele Menschen tragen immer noch ein veraltetes Hypnose-Bild in sich, das sich aus früheren Medienberichten zur Bühnen- oder Show-Hypnose speist. Dabei werden traditionelle, autoritäre Hypnose-Techniken zu Zwecken der Unterhaltung des Publikums benutzt.

Anders ist dies bei der Hypnose-Anwendung in Medizin, in Therapie oder Coaching, wo es einzig um die Stärkung der Kompetenzen und der Autonomie des Patienten oder Klienten geht. Hier sind die methodischen Ansätze daher kooperativ-wertschätzend und ressourcenfördernd.

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Medizinische Hypnose (Module I-III)

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Was ist Medizinische Hypnose?

Therapeutische Hypnose

Bei der Hypnose zu Therapie- oder Heilzwecken – Medizinische Hypnose und Hypnotherapie – handelt es sich um wissenschaftlich offiziell anerkannte Verfahren, um unerwünschtes und unwillkürliches Erleben und Verhalten zu verändern und so Symptome und Leiden zu heilen oder zu lindern. Während sich die Medizinische Hypnose auf die Anwendung im engeren medizinischen Rahmen bezieht (siehe Tabelle), versteht man unter Hypnotherapie die Anwendung von Hypnose im Sinne von Psychotherapie (z.B. bei Angststörungen und Depressionen).

Erfreulicherweise hält die Methode bereits zunehmend Einzug in verschiedene Bereiche der Medizin. Dennoch ist die weitere Verbreitung und die systematische Anwendung Medizinischer Hypnose in Praxen und Kliniken wünschenswert. Denn dieses Verfahren birgt ein noch vielfach völlig ungenutztes, reichhaltiges Potenzial, über das Medium Sprache hilfreiche, gesundheitsfördernde Prozesse und Ressource-Bewusstsein bei Patient:innen anzuregen und Heilungsprozesse auf körperlicher und mentaler Ebene zu fördern.

Tab.: Indikationen der Medizinischen Hypnose

1.  Vorbereitung auf Eingriffe
 – Förderung tiefer Entspannung
 – Minderung autonomer Reflexe (Husten-, Würgereiz)
 – Stress- und Angstabbau
 – Adhärenz- & Motivations-Aufbau zur Kooperation
 
2.  Hyp- / Anästhesie
 – Beeinflussung des Schmerzempfindens und -erlebens
 
3.  Psychosomatische Symptom-Kontrolle
 – Symptom-Reduktion (-Beseitigung)
 – Ressourcen-Aktivierung
 – Aktivierung der Widerstandskraft (Resilienz)
 – Aktivierung der Coping-Fähigkeiten
 – Stärkung der Patienten-Autonomie im Umgang mit der Störung

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Was kann Hypnose?

Anwendungsbereiche

Eine große Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen belegt die spezifische Funktionsweise und Wirksamkeit der Hypnose-Anwendung in der Medizin. Wirksamkeitsbelege gibt es u. A. für folgende Anwendungen:

  • Akute / chronische Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Bluthochdruck, Asthma bronchiale, Adipositas
  • funktionellen Körperbeschwerden (Reizdarm, Fibromyalgie etc.)
  • Ängste vor belastenden medizinischen Prozeduren (z.B. Operation, Kernspintomografie, Chemotherapie, Bestrahlung)
  • blockierende Ängste, wie z.B. Flugangst, Prüfungsangst, soziale Angst, Höhenangst
  • Milde bis mäßige depressive Episode

Video: „Gelungene Operationsvorbereitung mittels Suggestionen“

Interview mit PD Dr. Ross, Kongress Medizinische Hypnose & Ärztliche Kommunikation, Mai 2018 in Heidelberg.

Veröffentlicht am 29.10.2018.

Wirksamkeit

Literatur-Auswahl:

Medizinische Hypnose – intraoperativ: Wirkung von therapeutischen Suggestionen unter Vollnarkose auf den postoperativen Schmerzmittelverbrauch

https://www.bmj.com/content/bmj/371/bmj.m4284.full.pdf

Positive Suggestionen während einer Vollnarkose verringern postoperative Schmerzen und den Bedarf an Schmerzmitteln. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam der Universitätskliniken der LMU München, Köln, Kassel, Regensburg und der Ruhr Universität Bochum. An den fünf Zentren wurden 385 Patient:innen in eine randomisierte, kontrollierte Studie eingeschlossen. Die Patient:innen hörten nach Beginn der Narkose über die Dauer der Operation hinweg (1-3 Std.) eine Tonaufnahme über einen Kopfhörer mit positiven, unterstützenden Suggestionen und Musik, die wiederholt über 20 Minuten abgespielt wurden, gefolgt von 10 Minuten Ruhe. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation hatten die mit Suggestionen behandelten Patient:innen geringere Schmerzen. Daher mussten sie weniger häufig mit Opioid-Schmerzmitteln behandelt werden als Patienten der Kontrollgruppe. Auch die individuell notwendige Schmerzmittel-Dosis wurde durch die therapeutischen Suggestionen um ein Viertel verringert.

Medizinische Hypnose bei Reizdarm: Darm-fokussierte Hypnose

https://www.medmedia.at/univ-innere-medizin/darmfokussierte-hypnose/

Hypnotherapie bei Ängsten und Schmerzen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/64599/Hypnotherapie-Bei-Aengsten-und-Schmerzen-hocheffizient

Meta-Analyse zur Wirksamkeit von Hypnose zur Schmerzlinderung

https://gala.gre.ac.uk/id/eprint/23018/7/23108%20THOMPSON_The_Effectiveness_of_Hypnosis_for_Pain_Relief_2019.pdf

Ausgewählte Studien zur Effektivität von Hypnotherapie

https://www.meg-hypnose.de/fileadmin/meg-hypnose/pdf/Studien_zur_Effektivitaet.pdf

Wirkung von Hypnotherapie im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Depression

https://link.springer.com/article/10.1007/s00406-021-01348-7

Kontakt

PD Dr. Uwe H. Ross
Luisenstrasse 6
D-79098 Freiburg i. Br.
Fon (0761) 70 77 321
Fax (0761) 70 77 322
Email Dr-Ross@web.de
Web www.per-sono.de

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