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Was ist Tinnitus?
Unter Tinnitus (von lat. tinnire = klingeln) versteht man Ohrgeräusche, die ohne äußere Schallquellen in den Ohren oder im Kopf lokalisiert wahrgenommen werden (Hör-Beispiele unter Tel. 0190 - 25 02 05).
Solche Geräusche nehmen ca. 10% der deutschen Bundesbürger in ihrem Leben permanent wahr, ohne eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität. Demgegenüber leiden etwa 0,5-1% der Bevölkerung unter chronischem Tinnitus mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität in privaten und beruflichen Bereichen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie sozialer Isolation.
Die Anzahl der mittelgradig bis schwerst Betroffenen liegt bei 1,5 Mio. Mitbürgern.
Tinnitus-Formen
Objektiver (mithörbarer) Tinnitus. Diese seltenen Ohrgeräusche sind auch von anderen hörbar (z.B. mittels Stethoskop des Arztes), da sie von inneren Körperschallquellen nahe dem Innenohr des Betroffenen stammen (z.B. gefäß- und muskelbedingte Geräusche). Meist lassen sie sich operativ oder medikamentös behandeln.
Subjektiver (nicht-mithörbarer) Tinnitus. Diese, häufigste Tinnitus-Form ist nur vom Betroffenen selbst wahrnehmbar und ist Ausdruck einer besonderen, störenden Informationsbildung im Hörsystem. Die nachfolgenden Informationen und Therapieangebote beziehen sich speziell auf diese Tinnitus-Form.
Akuter Tinnitus. Der Tinnitus besteht weniger als 3 Monate. Untersuchungen (HNO-ärztlich, kernspintomografisch, zahnärztlich-gnathologisch, manualtherapeutisch) sollten v.a. strukturelle Organveränderungen abklären. Behandlung mittels durchblutungsfördernder Infusionen, Kortison und ggf. hyperbare Sauerstoffbehandlung (HBO; Information z.B. unter http://www.vdd-hbo.de oder www.hbo-freiburg.de) und Manualtherapie.
Subakuter Tinnitus. Der Tinnitus besteht mehr als 3 Monate bis zu einem Jahr. Neben der Ursachenabklärung ist hier eine umfassende Betreuung durch den HNO-Arzt erforderlich. Insbesondere sollten Wege aufgezeigt werden, wie der Betroffene im Alltag mit dem Ohrgeräusch besser umgehen kann. Entspannungverfahren, ggf. ergänzt durch psychotherapeutische Kurzinterventionen können hier sinnvoll sein.
Chronischer Tinnitus. Der Tinnitus besteht länger als 1 Jahr. Chronisch bedeutet nicht unheilbar oder hoffnungslos krank! Vielmehr entspringt die Einteilung in "akut", „subakut“ und "chronisch" pragmatischen Gesichtspunkten in Hinblick auf die jeweils erforderliche Handlungsweise des betreuenden Arztes. Die Grenze von akut zu chronisch in Bezug auf die funktionellen Veränderungen innerhalb der Hörbahn ist fließend. Während im ersten Fall die medizinische Behandlung mit Medikamenten im Vordergrund steht, ist im zweiten Fall die Mitarbeit und Selbstverantwortung des Betroffenen Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umgestaltung der fehlerhaften Hörverarbeitung im Rahmen der modernen Tinnitus-Therapie.
Chronischer Tinnitus kann zudem kompensiert (ertragbar) oder dekompensiert (belastend) sein. Zur individuellen Einschätzung des Belastungsgrades nach standardisierten Kriterien setzen wir den Tinnitus-Fragebogen (Goebel & Hiller 1998) ein.
Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit)
Etwa 40% der Tinnitus-Betroffenen bemerken eine besondere Empfindlichkeit auf normale Umgebungsgeräusche (z.B. Straßenlärm), die mit psycho-vegetativen Reaktionen wie Herzrasen, Schweißausbruch, Unruhe oder Angst einhergeht (Hyperakusis). Ursache ist meist eine vermehrte Durchlässigkeit zentralnervöser Hörfilter. Die Störung lässt sich durch eine spezielle Hörtherapie rasch beheben.
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